Memmingen
Kraft der Erneuerung

»Der Ude kann’s, der Horsti nicht«

Die Memminger Sozialdemokraten haben ihren politischen Aschermittwoch wie jedes Jahr in der FCM-Stadiongaststätte gefeiert. Prominenter Gast war dabei die Generalsekretärin der SPD, Andrea Nahles. Sie sprach zur aktuellen Politik und nahm dabei ganz im Sinne der üblichen Aschermittwochs-Rhetorik kein Blatt vor den Mund.
Andrea Nahles mit einer emotionalen und packenden Aschermittwochsrede. Foto: Die Lokale

»Der Ude kann’s, der Horsti nicht« – mit diesem Spruch hatte Nahles die vollbesetzte Stadiongaststätte schon nach kurzer Zeit zum fröhlichen Applaus animiert. Viele der anwesenden Genossen und Genossinnen hatten an diesem Aschermittwoch schon ihre Erfahrungen mit gekonnten Reden gemacht, fuhr doch bereits um fünf Uhr morgens ein Bus aus Memmingen nach Vilshofen zum großen Treffen der bayerischen SPD, bei dem auch Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sprach. Landtagskandidatin Anne Kraus berichtete den »Daheimgebliebenen« von einem tollen Treffen und von bester Stimmung. Diese gute Stimmung setzte sich auch in Memmingen fort und fast alles, was Andrea Nahles zur politischen Lage zu sagen hatte, erntete viel Applaus. Die 42-jährige, die seit November 2009 die Generalsekretärin der SPD ist, nahm sich zuerst die bayerische CSU vor. Diese werfe der SPD einen Schmutzwahlkampf vor. »Einen Schmutzwahlkampf hat die SPD gar nicht nötig. Mit Dreck wirft doch die CSU auf die eigenen Leute. Wir machen Wahlkampf mit der Wahrheit«, so Nahles. Die CSU habe in den letzten Jahren die bayerischen Schulden verdoppelt und zeige mit dem Finger auf andere. Ihr reiche es mit den bayerischen CSU-Exporten wie dem Betreuungsgeld. Dieses werde eine SPD-Regierung nach der Wahl sofort abschaffen. Auch die personellen Exporte der CSU nach Berlin seien eine Zumutung. Verkehrsminister Peter Ramsauer habe nichts anderes zu tun, als seine Günstlinge ins Ministerium zu hieven, Verbraucherministerin Ilse Aigner würde Probleme nur weglächeln und Innenminister Hans-Peter Friedrich sei ein Bremsklotz für das NPD-Verbot. »Wir müssen die NPD verbieten – kein Geld mehr!«

Einen großen Teil ihrer Aschermittwochsrede widmete Nahles der sozialen Gerechtigkeit. »Vom großen Slogan der FDP – Mehr Netto vom Brutto – ist nichts übriggeblieben. 1,3 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland für weniger als fünf Euro pro Stunde, 6, 8 Millionen Menschen für weniger als 8,50 Euro und eine Million Leiharbeiter bekommen 40 Prozent weniger als ihre fest angestellten Kollegen – das ist nicht mehr Netto vom Brutto«, so Nahles. Der Slogan »Sozial ist was Arbeit schafft« müsse heute heißen: »Sozial ist was Arbeit schafft, von der man leben kann«. In Bayern lebten zwölf Prozent der Menschen unter der Armutsgrenze und 50 Prozent der jungen Menschen würden sich in befristeten Arbeitsverhältnissen befinden – dies müsse geändert werden, so Andrea Nahles. »Es geht vor allem um die jungen Leute bei der kommenden Bundes- und Landtagswahl«, so die Generalsekretärin kämpferisch.  Für diese Haltung erntete sie nach ihrer Rede viel und lang anhaltenden Applaus.

Artikel veröffentlicht am: 14. Februar 2013