Memmingen
Kraft der Erneuerung

„Eine ganz wichtige Einrichtung im Herzen Memmingens“

Die einzige AWO-Einrichtung für Suchtkranke in Schwaben besuchte der SPD-Bundestagsabgeordnete und Betreuungsabgeordnete für das Allgäu, Heinz Paula (Augsburg) jüngst in Memmingen. Dabei wurde er vom SPD-Fraktionsvorsitzenden im Memminger Stadtrat, Werner Häring, begleitet.
Das Foto zeigt (v.l.n.r.): Einrichtungsleiterin Waltraud Rehm, MdB Heinz Paula und Fraktionschef Werner Häring.

Die Psychosoziale Beratungsstelle der AWO gibt es seit 1982 in Memmingen und  wurde von dem Diplompsychologen Martin Leipert aufgebaut, der die Einrichtung bis 2004 leitete. Sie ist über den Bezirk Schwaben finanziert; den Bereich Prävention übernimmt der Landkreis Unterallgäu. Die Beratungsstelle kann über eine jährlich steigende Nachfrage berichten (etwa tausend Klienten pro Jahr); Schuldnerberatung wird jedoch nur für Suchtkranke angeboten. Die meisten finden wegen einer Alkohol- oder Drogenproblematik den Weg in die Einrichtung, wobei in letzter Zeit auch die Spielsucht im Zunehmen begriffen ist. Zuständig ist sie für Memmingen und das Unterallgäu; in Mindelheim gibt es eine Außenstelle. Um weitere Betroffene zu erreichen, werden auch Sprechstunden in den Kliniken in Memmingen, Ottobeuren und Mindelheim angeboten.

Voraussetzung für einen Erfolg der Therapie ist jedoch, dass die Klienten ehrlich zu sich selber sind, wie Einrichtungsleiterin Waltraud Rehm betont. Diese finden aber häufig nicht selbst den Weg zum Beratungsgespräch, sondern werden vom Arbeitgeber, dem Hausarzt, der Justiz oder der Familie angeleitet. In jüngerer Zeit wird auch eine ambulante Reha über die Rentenversicherung angeboten, bei der die Motivation aber besonders groß sein muss.

Erstaunt zeigte sich der Bundestagsabgeordnete Paula über die Tatsache, dass nur etwa zwanzig Prozent der Klienten Frauen sind, bei denen aber die Schamgrenze höher liege.  Der Altersdurchschnitt der Hilfesuchenden liege zwischen dreißig und fünfzig Jahren. Einrichtungsleiterin Rehm bezeichnete es als einen großen Vorteil, dass sich die Beratungsstelle im Gebäude der Hauptpost in der Lindentorstraße befinde, so dass von Außenstehenden nicht gesehen werden kann, ob jemand zur Post oder zur Beratungsstelle gehe. Mit Blick auf den anwesenden Stadtrat Häring äußerte sie aber die Bitte, den Einbau eines Aufzuges (- die Beratungsstelle liegt im dritten Stock -) wohlwollend zu prüfen.

Eindringlich wurde den beiden Mandatsträgern der schleichende Weg in die Sucht geschildert. Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Therapie sei  die entsprechende Eigenmotivation und die Selbsterkenntnis, der Hilfe zu bedürfen. Eine Alkoholikertherapie dauere im Schnitt zwei Monate und koste pro Monat etwa € 6000.- Besonders interessierte den Augsburger Abgeordneten das „richtige“ Verhalten von Angehörigen im Falle einer Suchterkrankung im Familienkreis: Die Angehörigen sollten den Kranken den „Spiegel vorhalten“ und die Veränderungen deutlich machen – und notfalls auch mit dem totalen Rückzug reagieren. Das sei ganz wichtig für die so notwendige Eigenmotivation.

Heinz Paula und Werner Häring zeigten sich begeistert von der aufopferungsvollen Tätigkeit von Waltraud Rehm und ihrem engagierten Team und wünschten ihnen weiterhin viel Energie, Kraft und Erfolg.

Artikel veröffentlicht am: 5. September 2011