Memmingen
Kraft der Erneuerung

Alte Buche gefällt

Für Aufregung sorgte die Fällung einer alten Buche im Rennweg. Grünreferent Hans-Martin Steiger hat prompt reagiert und dies bei der letzten Plenumsitzung angesprochen. Hier seine Stellungnahme:

Zuerst möchte ich mich bei Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger bedanken für die schnelle, umfassende und rückhaltlose Aufklärung, der von mir in der Stadtratssitzung vom 18.4.16 beantragten Untersuchung. Damit können Fehler in Zukunft vermieden werden. Zum Ergebnis der Untersuchung möchte ich als Stadtrat und Grünreferent wie folgt Stellung nehmen:

Es ist empörend und unglaublich, dass im Rahmen eines Ortstermins von Seiten der Bauverwaltung die Fällung eines der schönsten, größten und ältesten Bäume erlaubt wurde. Damit ist ein unwiederbringlicher Schaden für die Ökologie und das Stadtbild entstanden. Ein über hundertjähriger Baum lässt sich nicht ersetzen.

Empörend  deshalb, weil dies  im Alleingang   ohne Abstimmung mit  den zuständigen Stellen erfolgte. Weder die Naturschutzbehörde, noch das Gartenamt, noch der Grünreferent als Vertreter des Stadtrats sind in die Entscheidung einbezogen gewesen, obwohl bekannt war, dass es sich um einen höchst sensiblen Bereich handelt. Mehrfach wurde darauf im Bausenat hingewiesen. Offensichtlich weiß in der Bauverwaltung die rechte Hand nicht was die Linke macht.

Empörend auch deshalb, weil eine vom Bundesnaturschutzgesetz vorgeschriebene  Untersuchungen über Brutfreiheit nicht von zuständiger  Seite durchgeführt wurden. Wer ein Grundstück mit einem so wertvollen Baumbestand erwirbt, muss sich auch der Verantwortung der Allgemeinheit gegenüber bewusst sein. Dagegen wurde bereits in der Vergangenheit vom Besitzer verstoßen.

Unglaublich  deshalb, weil gleichzeitig  alle Vorkehrungen getroffen wurden, um durch Schutzmaßnahmen zu verhindern, dass die zukünftige  angrenzende Bebauung  den Baum schädigt. Die MEWO als Bauherr hat zu diesem Zweck eigens einen Gutachter beauftragt. Diese Bemühungen sind nun hinfällig geworden, ausgerechnet durch ein städtisches Amt.

Daraus leite ich folgende Forderungen ab:

1) Bei der anstehenden personellen Neustrukturierung des Bauamtes ist in besonderer Weise sicherzustellen dass sich derartige Abstimmungspannen nicht wiederholen. Bei ökologisch relevanten Fragen ist der fachliche und rechtliche Naturschutz zu beteiligen.

2) Gegen den Baumbesitzer und gegen die baumfällende Firma sind bei festgestelltem Verstoß gegen das Naturschutzgesetz saftige Bußgelder zu verhängen.

3) Die beauftragte Baumkillerfirma   ist wegen Unzuverlässigkeit von städtischen Aufträgen auszuschließen. Am Tage der Fällung  wurde von Seiten der Firma mir gegenüber versichert, es handle sich nur um baumpflegende Maßnahmen, keinesfalls um eine Fällung.

PS. Den verantwortlichen Mitarbeiter habe ich eigentlich immer geschätzt und schätze ihn auch heute noch. Fehler können immer passieren. Aber sie dürfen sich nicht wiederhole.

Dr. Hans-Martin Steiger

Grünreferent

Artikel veröffentlicht am: 22. April 2016