Memmingen
Kraft der Erneuerung

Auf dem roten Sofa

Die Memminger Sozialdemokraten haben bei ihrem Dreikönigsfrühschoppen im Memminger Kulturzentrum Kaminwerk ihre Kandidatinnen und Kandidaten für die diesjährigen Wahlen vorgestellt. Dabei verzichtete man auf Grußworte und lange Reden, sondern präsentierte sich in einer lockeren Talkrunde auf den den roten Sofas des Kaminwerks.
Diskutierten über die anstehenden Wahlkampfthemen (von links): Rolf Spitz, Petra Beer, Anne Kraus, Matthias Ressler, Sylvana Beinemann und Willi Seitz. Foto: Privat

Moderator Matthias Ressler gab bei der Begrüßung zu, dass man in den kommenden Wahlkämpfen noch genug Reden hören würde und so wolle die Memminger SPD den Dreikönigsfrühschoppen etwas lockerer gestalten. Dabei holte er nacheinander die verschiedenen Kandidaten für die kommenden Bundes-, Land- und Bezirkstagswahlen auf die Bühne. Neben Rolf Spitz (Direktkandidat Bundestag), Anne Kraus (Direktkandidatin Landtag), Petra Beer (Direktkandidatin Bezirkstag) wurden auch die Listenkandidaten Sylvana Beinemann (Landtag) und Willi Seitz (Bezirkstag) vorgestellt. Nach einer kurzen Begrüßungsrunde ging man auch gleich zur Diskussion über. Dabei wurde schnell klar, dass sich alle Kandidaten in einer Sache hundertprozentig einig sind. Es gibt eine »Gerechtigkeitslücke« im Land. Willi Seitz sprach davon, dass die Schere zwischen Reich und Arm immer mehr auseinander gehe und diese Entwicklung gerade bei der Altersversorgung in die Katastrophe führe. Die Rente mit 67 lehne er ab, man müsse dagegen viel mehr auf ein flexibles Renteneintrittsalter setzen, zumal ihm keiner sagen könne, woher denn die Jobs für die Generation 60 Plus kommen würden. Ein Beitrag zur Sicherung der Renten seien gerechte Löhne. Soziale Gerechtigkeit und Mindestlöhne – dafür wolle auch Rolf Spitz in seinem Wahlkampf werben. Spitz sieht aber auch in anderen Politikbereichen Nachholbedarf im Unterallgäu und in Memmingen. Gerade die Infrastruktur werde seit der Regierungsübernahme von Schwarz-Gelb stark vernachlässigt. Dass Verkehrsminister Ramsauer ein »Bremser« sei, wäre wohl klar. Es sei nicht zu verstehen, dass gerade die Elektrifizierung der Bahnstrecke München – Lindau nicht weiter vorangetrieben werde. Rolf Spitz gab klar zu verstehen, dass es auch bei der Energiewende so nicht weiter gehen könne. Ohne Not hätte Angela Merkel den Ausstieg aus der Atomenergie abgesagt, um dann doch nach der Katastrophe von Fukushima eine Kehrtwende hinzulegen.

Bezirksrätin Petra Beer konzentrierte sich in ihren Statements ganz auf die Bezirksebene. Sie sei stolz auf die Arbeit der SPD-Fraktion. Man habe in den letzten Jahren viel erreicht. Sie wolle sich weiter für das Thema »Inklusion« stark machen. Chancengleichheit für Behinderte und Nichtbehinderte sei ihr besonders wichtig. Diese Chancengleichheit für Männer und Frauen wünscht sich auch Landtagskandidatin Anne Kraus. Die Unterallgäuer Kreisrätin wolle sich im bayerischen Landtag gerade für die Frauen stark machen. Alle Kandidaten waren sich einig: Chancenungleichheit fange schon im Bildungssystem an. Dort müsse man ansetzen und auch Geld in die Hand nehmen. In Sachen Bildung hatte auch die Jüngste der Runde, Sylvana Beinemann, ganz konkrete Vorstellungen. »Was wir in Memmingen brauchen ist ganz klar eine Fachhochschule,« so Beinemann.

Bei der Diskussion gab es viel Beifall von den rund 70 interessierten Zuhörern. Ganz zum Schluss gab es noch eine erfreuliche Nachricht. Zum traditionellen politischen Aschermittwoch kommt ein SPD-Kaliber nach Memmingen. Man freue sich dabei auf die Generalsekretärin der SPD, Andrea Nahles.

Artikel veröffentlicht am: 7. Januar 2013