Memmingen
Kraft der Erneuerung

Freiheit – Gerechtigkeit – Solidarität

Am vergangenen Donnerstag hat der SPD-Ortsverein Memmingen zusammen mit dem ehemaligen Bundesverteidigungsminister und Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Rudolf Scharping, in einem Festakt das 150-jährige Bestehen der SPD gefeiert. Scharping lobte in einer emotionalen Rede die SPD als das Rückrat der Demokratie in Deutschland.
Freiheit war das große Thema von Rudolf Scharping bei seiner Festansprache im Trachtenheim. Rechts neben ihm: Herbert Müller, Ehrenmitglied des Memminger-SPD-Ortsvorstandes.

72 Stunden vor der Bundestagswahl traf sich der Memminger SPD-Ortsverein im Trachtenheim um neben einer Rückschau auf 150 Jahre Parteigeschichte auch einem emotionalen Plädoyer für die Werte der SPD zu lauschen. Der ehemalige Vorsitzende der SPD, Rudolf Scharping, traf dabei den Nerv der Genossinnen und Genossen und wurde mit langem Applaus für seine Festansprache belohnt. 150 Jahr SPD – Scharping schlug den Bogen von der Gründung am 23. Mai 1863 in Leipzig über das dritte Reich, die Ostpolitik Willy Brandts bis hin zur Regierungszeit unter Gerhard Schröder. Dabei beschwor er die Grundthemen der SPD: »Die SPD war zuallererst eine Freiheitsbewegung. Und diese Freiheit konnte man in vielen Fällen nur über Bildung erlangen«, so Scharping. Er nannte die Freiheit als das große Ziel der SPD. Diese Freiheit können man aber nur mit dem Maßstab der Gerechtigkeit erlangen. Solidarität der Menschen diene dabei als Grundlage für diesen Weg. »Die SPD ist die Partei in Deutschland, die in 150 Jahre keine Entscheidung getroffen hat, die es notwendig gemacht hat den Parteinamen zu ändern. Darauf können wir stolz sein.« Die heutigen Probleme der Sozialdemokratie seien nichts im Vergleich mit den Herausforderungen der Vergangenheit, so Scharping. Dabei erinnerte er an die Zeit im Nationalsozialismus, als viele Angehörige der SPD ermordet wurden. »Man kann es sich heute nur schwer vorstellen, wie ein Mann wie Otto Wels sich 1933 im Reichstag gegen die Nazis stellte, obwohl er nicht wusste ob er die nächsten Tage überleben würde«, so Scharping. Dabei zitierte er auch die bewegenden Worte Wels, mit denen er das Ermächtigungsgesetz ablehnte: »Freiheit und Leben kann man uns nehmen, aber die Ehre nicht!« An seine Zeit in der Regierungsverantwortung erinnerte Scharping ebenfalls. Die Agenda 2010 sei zwar nicht fehlerhaft, aber ohne diesen notwendigen Schritt sei der heutige Stand der Wirtschaft und der Sozialsysteme nicht vorstellbar. Das müsse gesagt werden. Im Hinblick auf die heutige Politik gab er den Ratschlag: »Man muss sagen was man tut und tun was man sagt. Es gibt Zeiten, da ist die Wahrheit wichtiger als eine einzige Stimme.« In weiteren Redebeiträgen erinnerten auch der Ortsvorsitzende Rolf Spitz, der ehemalige Landtagsabgeordnete Herbert Müller und Memmingens Oberbürgermeister an die Geschichte der SPD. Herbert Müller fasste zusammen: »Weil wir eine Vergangenheit haben, haben wir auch eine Zukunft.« Vor dem Festakt im Trachtenheim trug sich Rudolf Scharping ins Goldene Buch der Stadt Memmingen ein und besuchte mit Vertretern der Memminger SPD die Handwerkerzunft am Weinmarkt. Dort erfuhr er mehr über die Zwölf Bauernartikel, als erste Niederschrift von Menschen- und Freiheitsrechten in Europa. Die damaligen Treffen der Bauern in der Handwerkerzunft im Jahr 1525 gelten als erste verfassungsgebende Versammlung auf deutschem Boden.

Artikel veröffentlicht am: 20. September 2013