Memmingen
Kraft der Erneuerung

Friedliche Mahnwache gegen Rechts

Am vergangenen Samstag haben zahlreiche Menschen an der ehemaligen Synagoge in Memmingen gegen rechte Gewalt und rechtes Gedankengut protestiert. Anlass war eine NPD-Veranstaltung in der Stadthalle.

Mit Schweigen und stillem Protest wurde auf die NPD-Veranstaltung reagiert. An der Synagoge legte man Blumen ab und fand aber auch offene und direkte Worte in Richtung aller Ideologen von gestern, die heute noch Hass und Intoleranz predigen. Stellvertretend hier ein Grußwort des SPD-Bundestagsabgeordneten Heinz Paula, der am Samstag nicht in Memmingen sein konnte, und der Redebeitrag unserer Bezirksrätin Petra Beer:

“Sehr geehrte Damen und Herren,

ich danke Ihnen, dass Sie sich versammelt haben, um gegen die Kundgebung der NPD im kleinen Saal der der Memminger Stadthalle zu protestieren. Als Vorsitzender des „Bündnisses für Menschenwürde“ übersende ich Ihnen Augsburger und gesamtschwäbische Grüße der Verbundenheit an diesem Tag. Mit Ihrer heutigen Veranstaltung wollen die Rechtsextremen die Euro-Krise zum Vorwand nehmen, um ihre üblichen Parolen unters Volk zu bringen: Deutschland den Deutschen. Und dahinter verbirgt sich nichts anderes als der Versuch, die alten Lügen von der Weltverschwörung gegen die Deutschen neu aufzuwärmen. Und das hört sich dann bei Herrn Ollert, einem der Redner des heutigen Tages in Memmingen, so an: Er schwafelt vom „judäo-globalistischen Völkermordprogramm“ einer „multikulturellen Gesellschaft”. Er malt an die Wand, dass das “Deutsche Volk in seinem biologisch-ethnischen Bestand und seiner kulturellen Identität auf das schwerste bedroht” sei. Die Ängste der Bevölkerung sollen mit solchen unverschämten Parolen zum Stimmenfang genutzt werden – es ist die alte Verdummung , die Deutschland schon einmal ins Verderben gestürzt hat. Es ist immer bitter, wenn eine Stadt zum Schauplatz der Ewiggestrigen, der Hetzer und Demagogen ist. Das trifft heute Memmingen und der Widerstand gegen diese NPD-Kundgebung kann sich der Solidarität in ganz Schwaben gewiss sein. Aber denken wir auch die Stadt Nürnberg, die so einen Mann wie Herrn Ollert seit nunmehr fast zehn Jahren im Stadtrat ertragen muss. Die Folgerung kann nur lauten: Verbot der NPD, damit die Feinde unserer Verfassung, die unsere Demokratie verhöhnen und verachten, nicht auch noch mit Steuergeldern gefördert werden. Aber vor allem brauchen wir den Widerstand der Bürger, das Engagement für die Demokratie. Mit der heutigen Mahnwache geben Sie dafür ein gutes Beispiel: Für eine weltoffene, lebenswerte Gesellschaft.

Mit freundlichen Grüßen

Heinz Paula, Bundestagsabgeordneter
Augsburg, den 27. August 2011″

“Für die Veranstalter, das „Memminger Bündnis gegen Rechts“, freue ich mich, dass Sie alle hierhergekommen sind. Memmingen steht für eine weltoffene¸ bunte und die Menschenrechte achtende Gesellschaft. Wir bewerten und urteilen nicht auf Grund von Religionszugehörigkeit, Herkunft, Nationalität oder gar nach körperlich und oder geistiger Beeinträchtigung, sondern wir stehen für eine freiheitlich – demokratische Grund- und Werteordnung und Facettenreichtum. Sie Alle, die sich hier versammelt haben, gemeinsam mit dem breit gefächerten „Memminger Bündnis gegen Rechts“¸ beweisen dies auf eindrucksvolle Weise.Dem Memminger Bündnis gegen Rechts gehören an :Attac, Bündnis 90/Die Grünen, CRB, CSU, DGB, Die Linke, DIG, Evangelische Kirche, FDP, Freie Wähler, Junge Union, Junger Block, Jusos, Katholische Kirche, Lokale Agenda 21, ÖDP und SPD.

Wir wählten in diesem Kontext die Form des stillen Protests und wollen diesen durch die hier stattfindende Mahnwache mit Schweigeminuten und anschließender Blumenniederlegung zum Ausdruck bringen. Darüber hinaus wollen wir an dieser geschichtsträchtigen Stelle der NPD, welche unsere toleranten und demokratischen Prinzipien weder verkörpert, noch lebt, zeigen, dass wir ihre politischen Aktionen und ihre Ideologie weder ignorieren noch gut heißen können.

Petra Beer
Stadt- und Bezirksrätin
Memmingen

Artikel veröffentlicht am: 29. August 2011