Memmingen
Kraft der Erneuerung

Politik kann die Menschen berühren

Traditionell im Cafe Brommler trafen sich die Memminger Genossen auch dieses Mal wieder zur Jahreshauptversammlung. Neben den Berichten und der Entlastung des Vorstands, standen die Delegierten-Wahlen zum Europa-Unterbezirkstag an.
Bezirksrätin Petra Beer und der Direktkandidat für den Landtag, Davi Yeow blicken hoffungsvoll in die Zukunft.

SPD-Ortsvorsitzender David Yeow blickte auf ein turbulentes Jahr mit Höhen und Tiefen zurück. Neben den OB-Wahlkämpfen hätten vor allem der Tod von Werner Häring, Dr. Heinz Ahrens, Christa Moser, Manfred Wilsch und zuletzt Maria Machnig den Ortsverein belastet. Auch mit den Verlusten bei der Bundestagswahl und der langen Zeit für die Regierungsbildung habe man lange gehadert. Zu guter Letzt habe sich die SPD aber ganz gut verkauft und konnte ihre Ziele setzen, so der SPD-Chef. Vor einem Jahr habe sich der Ortsverein umstrukturiert und zudem einen neuen Ortsvorstand eingesetzt, was Yeow, ganz selbstkritisch betrachtet, sehr positiv stimmt. Bei der Umstrukturierung wurde der Informationsfluss von Brief auf E-Mail umgestellt und für die Mitglieder gibt es neue Angebote, wie die Vorstandssitzung mit anschließendem Diskussionsforum für alle Mitglieder zu aktuellen politischen Themen. Die traditionellen Veranstaltungen wie der Dreikönigsfrühschoppen, der politische Aschermittwoch, die Maifeier und das Straßenfest seinen ein voller Erfolg gewesen. „Wir wollen näher am Bürger sein“, betont Yeow und berichtet in diesem Zusammenhang über die positiven Gespräche mit den Bürgerausschüssen im vergangenen Jahr. So spricht sich die Memminger SPD nach den Diskussionen in Dickenreishausen für einen Neubau des Kindergartens in dem Stadtteil aus.

Bezirkstags- und Landtagswahl

Die Tatsache, dass die Kandidaten für die Bezirkstags- und Landtagswahlen diesmal beide aus Memmingen kommen, werde der Maustadt und ihrer Bedeutung nur gerecht, betonte der Vorsitzende. Zudem gebe es in Memmingen, im Gegensatz zu anderen Ortsvereinen, sogar einen Mitgliederzuwachs. Deutlich mehr als 200 Mitglieder habe die Memminger SPD derzeit, freut sich Yeow. „Obwohl zwei anstrengende Wahlkämpfe hinter uns liegen, müssen wir jetzt noch einmal ganz besonders Gas geben“ erläutert der Vorsitzende im Zusammenhang mit den anstehenden Bezirkstags- und Landtagswahlen. Wer bei zwei Rennen mitfahren und gut abschneiden möchte, braucht sehr viel Engagement, aber es gebe gute Gründe, sich dafür richtig ins Zeug zu legen. Das Wahlkampfteam sei eine gelungene und attraktive Mischung aus vier bekannten und erfahrenen Sozialdemokraten. Für den Bezirk tritt wieder Bezirksrätin Petra Beer an. „Petra ist in ganz Schwaben bekannt und beliebt wegen ihres unermüdlichen Engagements, erläutert Yeow und stellte dann den Listenkandidat Willi Seitz vor, einen Genossen „der thematisch ungemein breit aufgestellt und kompetent ist“. Als Listenkandidatin für den Landtag tritt Susanne Friederich-Scheuerl an. Obwohl sie noch nicht lange in der SPD ist, bezeichnete sie Yeow als eine Frau, „die ganz genau weiß, wo bei Familien und Arbeitnehmern der Schuh drückt und die sich mit allen Mitteln für deren Belange einsetzt“. Er selbst kandidiere aus reiner Überzeugung, betont Yeow., Die Gesellschaft brauche die sozialpolitischen Themen der SPD und egal wie die Wahl ausgeht, er werde weiterhin für die Werte dieser Partei einstehen. Ein wichtiger Punkt im Landtagswahlkampf sei für ihn das Thema bezahlbarer Wohnraum. Die Bundesarchitektenkammer habe schon vor Jahren festgestellt, dass in Bayern 400.000 Wohnungen fehlen und da helfe es nicht, wenn die CSU Wohnbaugesellschaften an rendite-orientierte Unternehmen verkaufe. Gerade bei der CSU sorgt sich Yeow über den Rechtsruck. Gerade deshalb brauche es in Bayern eine starke SPD, betont Yeow und bezog sich auf Seehofers Aussage „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“. Mit diesen Sprüchen wolle die Union der AfD die Themen wegnehmen, aber sie lösen das eigentliche Problem nicht. Damit spalte Seehofer eine bereits gespaltete Gesellschaft noch weiter. Das sei, „als wenn man ein brennendes Haus mit einem Benzinkanister löschen würde“, so der Vorsitzende. Die Lösung bei diesem Thema sei nicht Ausgrenzung, sondern Integration.

Besonders nahe am Menschen sei man in der Kommunalpolitik, erzählt im Anschluss Bezirksrätin Petra Beer. Dort habe man als Politiker Kontakt mit den Bürgern und könne sich einbringen. Man bekomme nicht nur mit wo es klemmt und wo der Schuh drückt, sondern erlebe auch die Dinge die gut laufen. Beer zitiert die bayerische SPD-Vorsitzende Natascha Kohnen mit einem Satz, den sie bei ihrer Nominierung gesagt habe. „Politik kann die Menschen berühren, aber dazu braucht es Vertrauen“. Dieses Vertrauen kann man laut Beer nur erwerben, wenn man Politik nicht von oben herab macht, sondern bei den Menschen ist. Wir müssen uns auch Gedanken machen, wie wir in Zukunft auf die Menschen zugehen, um mit ihnen in Kontakt zu kommen. Wir müssen ihnen die Gelegenheit geben, ihre Anliegen anzubringen und auch wir sind aufgefordert, unsere Überzeugungen darzulegen, so Beer weiter. Die Bezirksrätin freut sich jedenfalls auf den Wahlkampf mit einem „großartigen Team“, das für Solidarität, Gerechtigkeit und Gemeinsamkeit stehe.

Zahlreiche Genossen trafen sich zur Jahreshauptversammlung im Cafe Brommler.

Die Listenkandidatin Susanne Friedrich-Scheuerl betonte in ihrer Rede den Zusammenhang zwischen Arbeitnehmer- und Familienpolitik. Ohne Arbeitnehmerpolitik seien Familien gar nicht denkbar. Dabei gehe es um Arbeitslosigkeit, Sicherheit des Arbeitsplatzes, Kinderbetreuung und vieles mehr. Beim Thema Bundesregierung müsse man sich vor Augen halten, dass die SPD und die Union nicht nur die Wahlen verloren haben, „sie haben auch das Volk aus den Augen verloren“. Die Landtagskandidatin stellt dann die Frage: „Wenn die SPD eine Arbeitnehmerpartei ist, warum wählen uns die Arbeitnehmer dann nicht?“ Die Partei braucht ihrer Meinung nach ein Facelifting und müsse sich fragen, welche Probleme ein Arbeitnehner wirklich hat. Diese Menschen seien auch nicht die kleinen Leute, wie Seehofer gerne betone. „Nein, die Arbeitnehmer sind die Leute, die maßgeblich am wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands beteiligt sind und für die müssen wir eintreten“, so die Landtagskandidatin.

Artikel veröffentlicht am: 25. März 2018