Memmingen
Kraft der Erneuerung

SPD/FDP Fraktion stimmt für Ikea

Die SPD/FDP-Stadtratsfraktion hat sich einstimmig hinter die Bemühungen gestellt Ikea nach Memmingen zu holen. Damit war man maßgeblich daran beteiligt, dass der Stadtrat auf seiner gestrigen Sitzung mit 28:11 der Aufstellung eines Bebauungsplanes zugestimmt hat.

Nur die SPD/FDP-Fraktion und der CRB waren sich vollkommen einig. Ikea ist wichtig und muss nach Memmingen. In allen anderen Fraktionen herrschte Uneinigkeit, die ÖDP lehnte das Projekt in Gesamtheit ab. Hier die Gründe für die Zustimmung der SPD/FDP in der Stellungnahme unseres Fraktionsvorsitzenden Matthias Ressler.

“Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren,

ist die Ansiedlung von Ikea in Memmingen gut oder schlecht für die innerstädtische Entwicklung? Dies ist die Kernfrage, die den Stadtrat seit geraumer Zeit beschäftigt. Die SPD/FDP-Fraktion ist der Meinung, dass vor allem eines der Innenstadt schadet – nämlich nichts zu tun.
Sehr geehrte Damen und Herren – die größte Gefahr für den inhabergeführten Handel ist nicht Ikea, ist auch nicht die grüne Wiese, sondern die digitale Wiese. Im Jahr 2016 erzielte der Internethandel deutschlandweit einen Umsatz von rund 44 Milliarden Euro, für 2017 sind 48 Milliarden Euro vorhergesagt.
Den E-Commerce interessiert keine Memminger Liste – diese existiert für Amazon, Zalando und Co nicht. Darum gilt es generell Menschen aus Fleisch und Blut nach Memmingen zu bringen. Da sind wir uns alle einig.
Eine Ansiedlung von Ikea erweitert das Einzugsgebiet Memmingens und bringt jährlich sicher über zwei Millionen Käufer ins Industriegebiet Nord. Wer von diesen Ikea Kunden dann auch die Innenstadt besucht, wird natürlich rege diskutiert. Doch dazu später.
Wichtig ist natürlich die Frage. Wer kauft wegen Ikea nicht mehr in der Innenstadt. Dies wird vom GMA-Gutachten eindeutig beantwortet. Ich zitiere „Insbesondere ist die Innenstadt von Memmingen nicht in ihren städtebaulichen Strukturen gefährdet.“ Meine Fraktion hält das Gutachten für schlüssig. Natürlich verfolgen wir im Stadtrat keine Gutachterpolitik, wir könnten uns ja dann auch von Gutachterfirmen regieren lassen, aber zur Entscheidungsfindung sind diese natürlich wichtig. Nach dem ersten GMA-Gutachten gab es einige Forderungen bezüglich der Flächen im geplanten Fachmarktzentrum. Diese sind mit der jüngsten Flächenreduzierung in den Segmenten Sport und Bekleidung erfüllt. Das bestätigt auch das jüngste Gutachten. Mehr Verhandlungsspielraum, gar die Abkehr vom Fachmarktzentrum, ist nicht zu erkennen. Die weitere Reduzierung der Flächen sehen wir als Verhandlungserfolg des Oberbürgermeisters und der Stadtverwaltung.
Grundsätzlich hätten wir gerne differenzierter über das Fachmarktzentrum diskutiert. Teile davon sind für Memmingen überaus positiv. Ein zweiter Baumarkt in Memmingen ist absolut begrüßenswert und dürfte für Wettbewerb auf diesem Sektor sorgen. Gegen Lebensmitteldiscounter, Babyfachmarkt, Zoofachmarkt ist nichts einzuwenden und die innenstadtrelevanten Sortimente sind mittlerweile in einem Flächenbereich, der zu vertreten ist.

Was die Lösung der Verkehrsproblematik angeht sind wir zuversichtlich. Alle beteiligten Behörden gehen davon aus, dass diese Probleme mit den erforderlichen Maßnahmen zu lösen sind. Probleme, die übrigens auch ohne Ikea schon vorhanden oder zumindest in den nächsten Jahren zu erwarten sind. Diese Maßnahmen werden mit einer Entscheidung für Ikea mit Sicherheit schneller vorangetrieben werden. Dies zeigt ja schon die gestern unterzeichnete Vereinbarung zum schnellstmöglichen Neubau der Europabrücke. Außerdem beteiligt sich Ikea oder übernimmt die Kosten vieler notwendiger Baumaßnahmen. Dies natürlich in gehörigem Eigeninteresse. Es glaubt doch keiner, dass Ikea an einen Standort geht, an dem der Verkehrsfluss nicht gewährleistet ist.
Dazu kommen natürlich die Steuereinahmen durch Ikea. Es ist keineswegs so, dass Ikea keine Steuern in Memmingen oder nur eine geringe Summe zahlen wird. Auch werden Arbeitsplätze geschaffen – sozialversicherungspflichtig und nicht wie behauptet ausschließlich im prekären Bereich.

Nun komme ich zum entscheidenden Punkt. Kommt der Ikea Besucher in die Innenstadt? Wir sind uns sicher, dass es gelingt, einen Teil dieser Besucher in die Innenstadt zu locken. Warum sind wir uns da so sicher? Ganz einfach – weil Memmingens Innenstadt zu den schönsten im Süden der Republik gehört. Weil die historische Altstadt mit ihrem Flair aber auch mit ihrer Weitläufigkeit für viele noch unentdeckt ist. Aber auch, weil wir in Sachen Tourismus und Stadtmarketing noch Luft nach oben haben. Wir können doch selbstbewusst auf unsere Stadt schauen. Dies lassen wir uns auch nicht kleinreden. Wir wollen Chancen nutzen und nicht den Status Quo zementieren.

Außerdem bezweifelt die SPD/FDP-Fraktion die Behauptung, dass der Ikea-Besucher vom Einkauf zu gestresst sei, um dann noch in die Innenstadt zu kommen. Der durchschnittliche Einkauf bei Ikea dauert eineinhalb Stunden. Selten wird länger eingekauft. Von einigen habe ich gehört: „Wenn ich zum Ikea nach Ulm gehe, besuche ich nie die Ulmer Innenstadt“. Ulm ist natürlich für die Memmingerinnen und Memminger jederzeit schnell erreichbar. Es ist eigentlich nichts Besonderes nach Ulm zu kommen. Stellen Sie sich aber mal vor, der Ikea in Ulm stünde in Lindau oder Friedrichshafen. Nach einem Besuch des Ikeas dort, würde ich als Memminger selbstverständlich die Zeit noch nutzen, um mich in diesen Städten umzuschauen.

Die SPD/FDP-Fraktion wird sich mit ganzer Kraft dafür einsetzen, dass die Lösungen und Konzepte, die der neugegründete Arbeitskreis Vermarktung vorschlägt, umgesetzt werden. Ikea selbst hat schon darauf verzichtet eine Innenstadtsituation mit Aufenthaltsqualität vor dem Fachmarktzentrum zu schaffen. Des Weiteren wird es einen Busshuttle geben, Ikea will sich am Stadtmarketing beteiligen. Es wird Werbemöglichkeiten am Ikea Standort geben. Das sind alles Maßnahmen, die es zu nutzen gilt. Wir sind uns sicher, dass es bei der nötigen Anstrengung gelingt, die Lücke zu den Zentren Kempten, Senden, Neu-Ulm zu schließen und uns erfolgreich gegen die digitale Wiese zu wehren. Das Thema Belebung der Innenstadt hat für uns in den nächsten Jahren absolute Priorität. Daran werden wir uns auch messen lassen müssen.

Wir werden dem heutigen Beschlussvorschlag ohne Ausnahme zustimmen und haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Nach vielen Gesprächen mit Handel, Bürgerinnen und Bürgern, Verwaltung und auch mit Ikea sind wir uns sicher, den richtigen Weg zu gehen. Dabei danken wir insbesondere dem Oberbürgermeister und seinen letzten Vorgängern. Die gerade geäußerte Kritik der CSU-Fraktion an Altoberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger weisen wir entschieden zurück. Auch der Verwaltung ein großes Dankeschön, die gerade bei der Klausursitzung des Stadtrats das Thema vorbildlich aufgearbeitet und präsentiert hat.

Vielen Dank”

Artikel veröffentlicht am: 19. Juli 2017