Memmingen
Kraft der Erneuerung

Strategien der extremen Rechten

Der ehemalige Baden-Württembergische SPD-Landtagsabgeordnete Stephan Braun hat auf Einladung des Evangelischen Bildungswerks Memmingen im Dietrich-Bonhoeffer-Haus einen Vortrag über die Strategien der extremen Rechten gehalten. Rund 50 Zuhörer folgten seinen Ausführungen und diskutierten mit dem SPD-Politiker.
Nach der Veranstaltung im Gespräch: Stephan Braun (links) mit dem Memminger Ortsvorsitzenden Rolf Spitz.

Stephan Braun war lange der Sprecher der SPD-Fraktion im Stuttgarter Landtag für Fragen des Extremismus und des Verfassungsschutzes. Er gilt als ausgewiesener Experte für alle Fragen, die die rechtsextreme Szene angeht. So berichtete er über rechte Netzwerke, wie Rechtsextreme auf die Jugend zugehen und ging auch auf rechte Musik ein. Der Buchautor berichtete von Veränderungen in der »Szene«. Rechtsextremisten kämen schon lange nicht mehr mit Springerstiefel und Glatze daher, sonder im Anzug. Beispiel: Der Sänger der Rechtsrockband »Noie Werte« Steffen Hammer arbeitet als Anwalt. Bassist Oliver Hilburger war ehrenamtlicher Richter beim Arbeitsgericht Stuttgart und wurde 2008 des Amtes enthoben. Braun schaffte es mit zahlreichen Beispielen perfide Strategien zu verdeutlichen. So wähle auch heute der Rechtsextremismus den Weg durch die demokratischen Instanzen mit dem Ziel diese zu beseitigen.

Wie Rechtsextreme aktuell Gesetze umgehen machte Braun anhand einiger Zeichen aus der Szene deutlich. So steht die Zahl 18 für die Buchstaben des Alphabetes AH (Adolf Hitler) oder 88 für Heil Hitler. Die 88 werde auch oft mit 2 x 44 getarnt – verbotene Symbole werden durch geheime ersetzt. Intensiv stellte Braun auch Bands des sogenannten Rechtsrocks vor. Diese gibt es auch im Unterallgäu. So gilt die Mindelheimer Band »Faustrecht« als eine der treibenden Kräfte der rechten Allgäuer Skinheadszene. Gerade mit Musik werde auf Jugendliche zugegangen, so Braun. CDs die vor Schulen verteilt werden gehören fast schon zum Alltag. Der Aufruf zum rechten »Flashmob« ist ein neueres Werkzeug der rechten Strategen. Über das Internet wird zu nicht genehmigten Demonstrationen aufgerufen, bei denen sich die Teilnehmer mit Masken tarnen um der Strafverfolgung zu entgehen.

Artikel veröffentlicht am: 24. April 2012