Eine farbige Persönlichkeit mit großer Bürgernähe

Empfang im Kreuzherrnsaal zum 75. Geburtstag von Herbert Müller

Sichtlich bewegt stand der ehemalige Landtagsabgeordnete Herbert Müller am Rednerpult und konnte nicht mehr als einfach nur „Danke“ sagen, zu den zahllosen Glückwünschen anlässlich seines 75. Geburtstags. Die Liste der Redner war auch dementsprechend lang, beim Empfang zu Ehren des Jubilars im Kreuzherrnsaal.

Den Anfang machte Oberbürgermeister Manfred Schilder und erzählt: „Seit fast 50 Jahren ist Herbert Müller Mitglied des Memminger Stadtrats, 24 Jahre lang gehörte er dem Bayerischen Landtag an und seit 20 Jahren ist er Vorsitzender des von ihm gegründeten Kuratoriums „Memminger Freiheitspreis 1525“. Ohne ihn würde es diesen Preis in seiner heutigen Form nicht geben und die Bauernartikel haben damit einen würdigen Platz im Gedächtnis der Bevölkerung erhalten, hob Schilder hervor. Auch seine Bemühungen, das Kinderfest zu reformieren seien beispielhaft gewesen attestierte Schilder dem Kinderfestvater von 1975-94. Schilder schenkte dem Jubilar ein ganz besonderes Stück Stadtgeschichte, eine Skulptur aus dem über 600 Jahre alten Holz der Wehrgangüberdachung der Stadtmauer.

Eine farbige Persönlichkeit

Die Bundesministerin a.D. Renate Schmidt erzählte aus der gemeinsamen Zeit im Bayerischen Landtag und bedankte sich bei Müller, „der sich statt meiner bei manchen unbeliebt gemacht hat, damit ich beliebt bleiben konnte“. Die ehemalige Landesvorsitzende der SPD ging auch auf seine Wahlerfolge ein. 1986 habe Müller großartige 33 Prozent und mehr Erst- als Zweitstimmen in seinem Stimmkreis gewonnen. Auch habe der Jubilar gezeigt, dass Demokraten über Partei- und Fraktionsgrenzen hinweg zusammenarbeiten können und sich gegenseitig wertschätzen. Herbert Müller sei nie angepasst gewesen, sondern „er war eine farbige Persönlichkeit mit großer Bürgernähe“, so Schmidt weiter. Er habe den Menschen nicht nach dem Mund geredet sondern „aufs Maul geschaut“, also zugehört und das Beste daraus gemacht. Schon in den 60ern sei er politisch aktiv gewesen indem er als Mitglied des Weltkirchenrats 1965 Addis Abeda besuchte und sich dort mit Rassismus und dem Nord-Süd Konflikt auseinandergesetzt habe, weiß Schmidt. Für viele Menschen ihrer Generation, sei der Holocaust und das Schweigen der Eltern und Großeltern Anlass gewesen, sich politisch zu engagieren. Dieses Engagement sei heute mehr denn je notwendig, „wenn es um die Auseinandersetzung mit den ewig Gestrigen geht, die keine Alternative, sondern ein Verderben für Deutschland sind“, so Schmidt weiter. Für Müller sei schon Ende der 60er Jahre klar gewesen, wenn er sein Christ sein ernst nehme, müsse er in der Politik mitmischen. Ausgerechnet Richard von Weizsäcker, der damals ein Auftrittsverbot von Franz-Josef Strauss in Bayern hatte, habe ihn bestärkt, dies in der SPD zu tun.

Auch die beiden ehemaligen Oberbürgermeister Dr. Johannes Bauer und Dr. Ivo Holzinger würdigten den Jubilar. Bauer bezeichnete Herbert Müller, „den er schon vor gut einem halben Jahrhundert kennenlernte“, als einen „frechen, witzigen, neugierigen und meist gut gelaunten Memminger Sozi“. Müller sei über all die Jahre ein Nonkonformist geblieben, der sich nicht vereinnahmen lasse und „damit den jeweiligen Obrigkeiten nicht immer Freude machte“, fügt Bauer schmunzelnd hinzu. Bauer erinnerte auch an Müllers Verdienste, den fast vergessenen Bauernartikel die Bedeutung und Öffentlichkeitswirkung zurückzugeben, die sie verdienen.

Um einen kurzfristigen Erfolg sei es Herbert Müller nie gegangen, würdigte anschließend Dr. Ivo Holzinger den Jubilar. Der Alt-OB zitiert Müller weiter, „Politik ist das nachhaltige Bohren dicker Bretter“. Zwei dieser dicken Bretter seien der Ausbau der A 96 und die Elektrifizierung der Bahnstrecke München-Lindau gewesen. Weitere politisch wichtige Stationen waren laut Holzinger die Bürgerinitiative zum Erhalt des Antonierhauses, die Städtepartnerschaft mit Eisleben und die Unterstützung für den Allgäu Airport.

Memmingens dritter Bürgermeister Dr. Hans-Martin Steiger hob besonders Müllers Verbundenheit mit der evangelischen Kirche hervor und erzählte seinen Werdegang von der evangelischen Jugend bis zur Mitgliedschaft im Weltkirchenrat. Müller sei auch Urheber und Motor vieler Initiativen, die die Stadt und das Land verändert haben, gewesen, so Steiger.

Georg-von-Vollmar-Medaille der SPD Bayern verliehen

Zum Abschluss gab es noch eine wirkliche Überraschung. Der Landesvorsitzende der AG „Migration und Vielfalt“ der BayernSPD, Francesco Abate, verlieh dem Jubilar im Auftrag des Landesverbandes die Georg-von-Vollmar-Medaille, die höchste Auszeichnung der Partei. Musikalisch bezaubernd umrahmt wurde die Feier von Matthias Ressler und Regina Leenders, die Lieblingslieder des Jubilars vortrugen.

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